Namenspatronin

Heillige Apollonia a.d. Nachlass von Pfr. Werner Werker,Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Apollonia Aachen-Eilendorf von 1966 bis 1996 Foto: Helmut H. Harth Mai 2009

DIE HL. APOLLONIA ALS NAMENSPATRONIN IN DER GESCHICHTLICHEN ÜBERLIEFERUNG

Als einziger Bericht zur geschichtlichen Gestalt unserer Namenspatronin, der hl. Apollonia, gilt ein in griechischer Sprache abgefasster Bericht in dem Geschichtswerk des Eusebius von Cäcarea (etwa 260-340 n. Chr.). Zu jener Zeit hatte Bischof Dionysius von Alexandria, der sein Amt etwa in den Jahren 246-265 nach Christus ausübte, in einem Brief an seinen Amtskollegen Fabius in Antiochia über ein Pogrom mit vielen Christenopfern in Alexandria berichtet.

Über Martyrium und Tod unserer Namenspatronin hat er folgende Schilderung abgegeben:

„Damals ergriffen sie auch Apollonia, eine bejahrte Jungfrau von hohem Ansehen. Sie schlugen dieselbe so auf die Kiefer, dass alle Zähne ausbrachen. Dann errichteten sie vor der Stadt einen Scheiterhaufen und drohten, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht ihre gottlosen Worte nachsprechen würde. Sie aber sprang, als ihre Bitte, frei sein zu dürfen, gewährt wurde, eiligst in das Feuer und verbrannte.“ *1

Aufgrund dieser Schilderung in Eusebius Schriften wird allgemein angenommen, dass sich besagte Christenverfolgung, der ja auch Apollonia zum 0pfer fiel, bereits im Jahre 248 oder 249 nach Christus, also noch während der Regierungszeit des als christenfreundlich bekannten Kaisers Philippus Arabs, ereignete und daher vermutlich nur ein vom Pöbel angezettelter Willkürakt war, der noch nicht zu jener großen Christenverfolgung gehörte, die im Jahre 250 nach Christus unter Kaiser Decius *2 einsetzte.

Relevanter als die Frage nach dem genauen Zeitpunkt jenes Christenpogroms scheint jedoch für Kirchenhistoriker die Überlegung zu sein, ob der letztlich freiwillig getane Sprung in die Flammen Apollonia nicht als vergehen im Sinne eines Freitodes angelastet werden könnte, Hierzu gibt es jedoch eine Stellungnahme des hl. Augustinus, wonach Apollonias Handlung auf höheren Antrieb hin geschah. Dieser Interpretation des Kirchenrates gemäß, die stets unangefochten geblieben ist, beeinträchtigt der freiwillig gewählte Feuertod Apollonias nicht im geringsten ihre Eigenschaft als verehrungswürdige Märtyrerin n und Heilige.

Polychromierte, etwa 45 cm hohe Holzstatue der hl. Apollonia aus dem 18. Jahrhundert, dargestellt mit Zahn, Zange und Palmzweig. Jeweils am 9. Februar dem Namenstag der Heiligen, wird sie, zusammen mit der Reliquie der Märtyrin, in der St. Apollonia Kapelle ausgestellt. (Foto: Helmut H. Harth, Oktober 2012)

Spätere, mittelalterliche Legenden wissen weitere Einzelheiten zur Geschichte der hl. Apollonia zu berichten, die jedoch geschichtlich nicht bestätigt werden können. Dazu gehören vor allem die angebliche Verwandtschaft Apollonias mit dem hl. Laurentius oder die Rettung ihres Leichnams durch Christen aus Alexandria. Wieder andere Erzählungen Liber tragen Ort und Zeit und stellen Apollonia als eine Jungfrau dar, die nicht, wie oben erwähnt, in Alexandria, sondern in Rom das vorhin beschriebene Zahnmartyrium unter Julius Apostata *3 erlitten haben soll.

Es bleibt dahingestellt, ob Apollonia jemals durch einen besonderen Akt zur Heiligen erhoben worden ist, oder ob sie nicht vielmehr diesen offiziellen Titel durch jene generelle Heiligsprechung erlangte, mit der Papst Urban VII. im Jahre 1634 nachträglich alle schon vor dem 12. Jahrhundert als heiligmäßig verehrte Personen kanonisierte, d.h. heiliggesprochen hat.

Über die Art und Weise der Misshandlungen Apollonias, speziell über den Verlust ihrer Zähne, gibt es ebenfalls verschiedene Versionen. Konnte man annehmen, dass ihr, dem Bericht des Eusebius nach, die Zähne mit Steinen ausgeschlagen worden waren, so geschah dies, späteren Legenden zufolge, mit einer Zange. Gleichsam wird jedoch in allen Legenden der freiwillige Feuertod festgehalten.

Einer dieser Legenden nach, soll Apollonia während ihrer Marter gebetet haben, dass alle, die in Zukunft an Zahnweh leiden sollten, von ihren Schmerzen befreit werden mögen, wenn sie sie, Apollonia, anrufen würden. Alsbald soll ihr ein Engel erschienen sein und die Erhörung ihrer Bitte verkündet haben. St. Apollonia gilt daher, wie es heißt, bereits seit dem späten Mittelalter als Patronin der Zahnärzte und gegen Zahnweh.

Nun ist es keinesfalls so, dass Apollonia als einzige Patronin der Zahnkranken gilt. Hier könnte eine ganze Anzahl von Heiligen aufgeführt werden, die jedoch für unsere speziellen Betrachtungen nicht relevant sind. Tatsache ist jedoch, dass nach dem allgemeinen, seit der Jahrhundertwende rasch fortschreitenden Bedeutungsverlust der hl. Apollonia als Schutzheilige der Zahnkranken, die Heilige sich zunehmend als Patronin der Zahnärzte behauptet *4.

Im Bereich der römisch-katholischen Kirche hat sich, im Gegensatz beispielsweise zur koptischen Kirche, die das Fest der hl. Apollonia am 28. Februar begehen soll, der 9, Februar durchgesetzt. Auch bei uns hier in Eilendorf findet an diesem Festtag unserer Patronin St. Apollonia jeweils eine hl. Messe mit Reliquienverehrung in der alten, ehrwürdigen St. Apolloniakapelle statt, wozu die St. Apollonia Schützenbruderschaft Eilendorf, die ja gleichzeitig auch ihr Patronatsfest begeht, eine Abordnung stellt, um im Sinne alter Zeiten das Allerheiligste zu bewachen und zu beschützen.

 

In der christlichen Ikonographie, d. h. in der Bildbeschreibung, gelten Zange und Zahn, einzeln oder gemeinsam, als die besonderen Kennzeichen der hl. Apollonia, obwohl im Bericht des Eusebius von der Zange als Marterwerkzeug keine Rede war und sie daher, wie schon oben erwähnt, nur die Zutat späterer Legenden sein kann. Doch sollte man hier, bei bloßer 0rientierung nach dem Zangenattribut, besonders unter den weiblichen Heiligen die Gefahr einer Verwechslung beachten, denn auch die Heiligen Agnes, Christina und Charitina treten wegen eines ebenfalls erlittenen Zahnmartyriums mit diesem Bildsymbol auf. Jedoch sind ihre Gestalten in unserem Raum weitgehendst als Schutzheilige bzw. Pfarrpatroninnen unbekannt.

Am 1. Februar 1970 wurde die 3,20 m hohe und über drei Zentner schwere Bronze-Statue der Schutzpatronin der Pfarre, der hl. Apollonia, im Rahmen eines Festhochamtes geweiht. Die Statue ist ein Werk des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg. Die hl. Apollonia ist u.a. auch Schutzpatronin der Zahnärzte. Dem Rechnung tragend, stilisierte der Künstler am Fuß der Statue einen Zahnkiefer und eine Zange. Auch zeigt er die Märtyrin im Bildzusammenhang mit dem Scheiterhaufen. (Foto: Helmut H. Harth, Januar 2010)

Die meisten Apollonia-Darstellungen tragen neben Zange und Zahn auch noch einen Palmzweig als Symbol des Sieges, d.h. für durchstandenes Martyrium. Auch die Apollonia-Darstellung in unserer Kapelle zeigt die Heilige mit diesen Attributen. Auf andere Darstellungen soll im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden.

Betrachtet man die Häufigkeit der Verehrung der hl. Apollonia beispielsweise im Raum Aachen – Trier, so kann man feststellen, dass außer in Eilendorf nur in den beiden 0rtschaften Großhau/Eifel (Pfarrkirche 1862/64 erbaut, also viel später als die St. Apolloniakapelle in Eilendorf) und Steckenborn/Eifel (erster Kirchenbau 17oo/02, also früher als die Kapelle in Eilendorf), sowie als Nebenpatronin in Venwegen (Pfarrkirche St. Brigida) und in Walheim (Pfarrkirche St. Anna) verehrt wird. Als Hauptpatronin von Kapellen dient sie hier nur in Eilendorf und Langerwehe. Man sieht St. Apollonia ist in unserem Raum nicht allzu häufig anzutreffen.

Am 1. Februar 1970 wurde die 3,20 m hohe und über drei Zentner schwere Bronze-Statue der Schutzpatronin der Pfarre, der hl. Apollonia, im Rahmen eines Festhochamtes geweiht. Die Statue ist ein Werk des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg. Die hl. Apollonia ist u.a. auch Schutzpatronin der Zahnärzte. Dem Rechnung tragend, stilisierte der Künstler am Fuß der Statue einen Zahnkiefer und eine Zange. Auch zeigt er die Märtyrin im Bildzusammenhang mit dem Scheiterhaufen. (Foto: Helmut H. Harth, 2012)

Welche Kriterien nun unsere Vorfahren vor mehr als 200 Jahren bewogen haben, beim Bau der Kapelle im 0berdorf gerade die hl. Apollonia als Patronin zu wählen, ist nicht überliefert und kann wegen fehlender Unterlagen heute auch nicht mehr nachvollzogen werden.

 

*1 Eusebius, Kirchengeschichte, 1932 (In: Des Eusebius von Cäcarea ausgewählte Schriften)
*2 Je schlimmer die Krisen im Innern und an den Grenzen des riesigen römischen Reiches wurden, umso höher stieg der Argwohn gegen die Christen. So gab der aus Illyrien stammende Kaiser Decius im Jahre 25O das Signal zu einer systematischen Verfolgung des Christentums imgesamten Reich. Viele Christen wurden wankend und opferten vor dem Kaiserbild. Die Mehrzahl jedoch blieb standhaft. Dieses heroische Vorbild der Märtyrer gewann dem christlichen Glauben viele neuen Anhänger.
*3 siehe Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, Sp. 718
*4 Hier sei auf die vorzügliche Arbeit von Wolfgang Steinmetz hingewiesen: Die Verehrung der hI. Apollonia als Patronin der zahnkranken im Eifelgebiet, o. Jz. (etwa 1977/78).

 

Mit freundlicher Genehmigung unseres Mitglieds
Hubert Beckers
aus dem Buch von 1986:
Aus der Geschichte der Pfarre St. Apollonia Aachen-Eilendorf
Ein geschichtlicher Rückblick anlässlich des Jubiläums
„25 Jahre Pfarrkirche St. Apollonia“
am 24. Und 25. März 1986